Eine Neuorientierung des Niederländischen Biologieunterrichts aus pädagogischer und entwickungspsychologischer Sicht

Cornelis Godefridus Marie van Mierlo

   De Golden Man by Toos Hagenaars

Zusammenfassung    

Anleitung zum Studium

Dieses Studium ist erarbeitet von einem Pädagogen, um einen Beitrag zu leisten zur pädagogischen Wissenschaft, speziell zur Didaktik. Ausgangspunkt ist die Erkenntnis, daß die adoleszenten Jungen und Mädchen eine wichtige Frage haben, eine für sie existentielle Frage, die bis jetzt im Unterricht keine Antwort erhält. Diese Dissertation versucht, die Grundzüge für ein Antwortgebendes Kurrikulum aufzuzeigen.

 DIE NEUN KAPITEL

 Im ersten Kapitel wird festgestellt, daß Adoleszenten sich nach den Grund ihres Daseins, ihres Soseins fragen. Daß sie sind, wie sie sind: leiblich und mental, und daß sie Teil einer Familie, einer Großfamilie sind und zwischen anderen Familien leben. Die für viele junge Leute wichtige Frage wird vorgestellt in diesem Eröffnungskapitel durch die Untersuchung mit schriftlicher Befragung von Schülern der Schule für Tanzunterricht in Rotterdam, durch persönliche Interviews und durch eine neue Analyse von Protokollen eines entwicklungspsychologischen Doktoralstudiums in Groningen. Die prägendste Aussage aus der letztgenannten Untersuchung lautet: Ich finde es sonderbar, daß ich bin, gehe, daß andere Leute die gleichen Gefühle haben: dumm nicht? Durch Nachdenken wird es noch schwieriger, dümmer; ich finde es komisch, daß ich bestehe. (Mädchen, 15 Jahre).

Die Frage der Adoleszenten hat eine physiologische Grundlage. Adoleszente Jungen und Mädchen sind im allgemeinen vielfältig befaßt mit ihrem eigenen Körper und ihrer eigenen leiblichen Erscheinung, mit sich selbst als physischer Person in der Sicht von Gleichaltrigen. Es ist die Zeit, in der man sich einschätzt, wie man in der Beurteilung der Anderen dasteht. Es ist die Zeit der Partnerwerbung. Das Selbstbeschauen gehört zu diesem Komplex.

 Die Kapitel 2 bis 8

Es gibt nur eine Wissenschaft, die imstande ist, entscheidend zu antworten auf physiologische existentielle Fragen: die Biologie. Die Kapitel 2 bis 8 beschreiben die biologischen Inhalte, welche man im Unterricht präsentieren muß, um die Adoleszenten zu einer vertieften Einsicht über sich selbst zu befähigen. Das Kurrikulum enthält einerseits relevantes theoretisches Wissen und Einblicke in die Zoologie, anderseits umfaßt es Begegnungen in der Natur: Beobachten der Tierpopulationen. Es sind vier Observations-praktika vorgesehen.

 Didaktische Hilfsmittel

Während der Suche nach den Inhalten der Zoologie zeigten diese sich so komplex, daß es notwendig war, mehrere Schemata zu entwickeln, um garantieren zu können, daß die ganze Materie erfaßt werden kann.

Ein erstes Schema, das phylogenetische Schema, konnte entnommen worden aus Claus Nielsens morphologischen Untersuchungen. Mit diesem Schema wird ein Überblick gegeben über alle Tierphyla, und dabei wird die Grundlage der gegebenen Ordnungen aufgezeigt. Das Schema gibt auch die Gleichwertigkeit an innerhalb der Phyla. Es zeigt die historische Genese der Phyla und jedes Phylum an sich. Die Ontogenese, bestimmend für jedes Leben, wird sichtbar. Damit ist auch das physisch Eigene jeder Art erkennbar.

Das Clusterschema ist eine kategoriale Komprimierung des Nielsen-Schemas mit der Absicht, den Adoleszenten zu zeigen, wie eine weitere Kategorisierung der bestehenden Phyla möglich ist.

Das Schema der Aspekte ist bedeutungsvoll, weil es die Totalität des Tieres ausgliedert in Aspekte. Es werden elf Aspekte unterschieden, die alle miteinander verbunden sind. Die Hauptkategorien sind:

* Tierkörper sind Materie, Substanz, Molekül-Komplexe;

** lokale Tierpopulationen sind existentielle Einheiten; sie bestehen als unterscheidbare Lokale Populationen;

*** Tierkörper sind Gebilde mit einem eigenen ‘design’; diese Körper werden aufgebaut in der Anfangszeit ihres Bestehens (Embryogenese, Ontogenese);

**** die Lokalen Tierpopulationen sind Ganzheiten, die ausgerüstet sind mit ‘Werkzeugen’ die sie für ihre besondere Aufgaben benötigen. Diese ‘Werkzeuge’ müssen Stück für Stück gesehen und erkannt sein, um die Tier-totalität überschauen und begreifen zu können. In diesem Sinn ist das Schema ein richtiges Werkinstrument in den zoologischen Praktika.

Das Aspekte-Schema weicht ab von der üblichen Weise von Begegnungen. Das Schema ist geeignet, das Tier in seiner existentiellen Ganzheit vorzu-führen. Das Schema macht es den Adoleszenten möglich, jede Tierart nach dem gleichen Prinzip zu untersuchen, und ihr später zu ‘begegnen’.

Das V-Schema (mit der horizontalen V-Form) ermöglicht zu erkennen, daß gleich mit der historischen Phylogenese die historische Ontogenese statt-gefunden hat.

Einen besonderen Status innerhalb dieses Bereichs haben

die Paleontologischen Zeit-Leisten. Diese sind linear, das bedeutet, daß auf circa fünf Meter langen Papierbahnen die evolutionäre Geschichte des Lebens in den aufeinander folgenden Stationen sichtbar ist.

 Kapitel 2 ist ein theoretischer Block mit Untersuchungen zur Frage: ‘Was für Tiere gibt es auf dieser Welt?’, ‘Was sind Tier-Populationen?’, ‘Wie sind die Tiere aufgebaut?’, ‘Welche Ursachen hat dieser Aufbau’?

Die Adoleszenten werden befähigt, ‘auf Papier’ die Tiere, welche die Meere und die Kontinente bevölkern, in ihren Ordnungen zu überschauen. Als Folge ergibt sich die Frage, was Tiere eigentlich sind.

Um die verschiedenen Tiere systematisch beobachten zu können ist, wie gesagt, das Aspekte-Schema entworfen. Für weitere Untersuchung ist eine Analyse, ein Auseinanderlegen, notwendig. 

 Kapitel 3 (zweiter theoretischer Block)

Ein wichtige Einsicht ist, daß die heutigen Menschenpopulationen zusammen mit den noch lebenden Schimpansenpopulationen in Afika ein existentielles Ganzes bilden. Um dies verstehen zu können, wird hingewiesen auf die geschichtliche Entwicklung der heutigen Schimpansen und der heutigen Menschen. Besprochen werden die aufeinander folgenden Stationen, in denen die heutigen Populationen in den vergangenen Millionen Jahren existiert haben seit dem Auftreten der ersten Säugetiere. Martin (1990) gibt in seinem Buch Primate Origins and Evolution eine phylologische Übersicht der Primatenordnung. Kompetenzen werden aufgezeigt. Die Mitglieder in den Schimpansenpopulationen zeigen sich als ausgesprochene Persönlichkeiten. Die Schimpansen-Gemeinschaften sind charakterisiert durch starke Anhänglichkeit untereinander. Sie sind emotional und praktisch aufeinander gerichtet. Innerhalb der Gruppen wird intensiv und in weitgehender ‘verhüllter’ Offenheit kommuniziert.

 Kapitel 4 (‘begegnendes’ Praktikum 1)

Dieses Kapitel behandelt das Nachfolgende Observieren der Tierpopulationen im eigenem Garten. Nachfolgend Observieren bedeutet fortlaufende Beobachtungen der Lokale Populationen in ihrem Bestehen durch die Jahre hin mit der Aussicht, einmal den Populationen zu begegnen, begegnen im Sinne des Verstehens und Nachfühlens der Realität der Geschichte, wie die Adoleszenten selbst Teil der Geschichte sind. Das erste Zoologiepraktikum enthält das systematische Beobachten der Tiere in ihrer Umgebung und zwar der Wirbellosen und der Wirbeltiere. Das nachfolgend observieren der Tierpopulationen in ihrer Umgebung verläuft so daß es die elf Aspekte des Aspekteschemas in Anspruch nimmt. Die Frage ist immer was die Observatoren sehen sollen. ‘Alles, was zu sehen ist’ ist die Antwort.

Beispielsweise wird die Gehäuseschneckenpopulation beschrieben. Weil die Observationen über vier Schuljahren angelegt sind kann auf mehrere Aspekte gleichzeitig geachted werden. Die Schneckenpopulationen werden ‘in Genera-tionen’ angetroffen.

Kapitel 5 (‘Begegnendes’-Praktikum 2)

Die Ontogenese
Weil der Bau der neuen Individuen so eingreifend und bestimmend ist für jede abgesonderte Tierart, ist die Einrichtung eines Schulpraktikums notwendig. Der Bau von der ersten Teilung bis zum volständigen Erwachsen-sein soll von den Adoleszenten mit eigenen Augen beobachtet werden. Die Entwicklung der Schnecken wird als Beispiel vorgeführt. Die Embryogenese innerhalb des Schneckeneies ist schwierig zu beobachten. Deshalb wird als allgemeines Modell die frühe Entwicklung innerhalb des Eies der Wirbeltiere vorgestellt, z.B. die Untersuchung der Entwicklung des Hühnerembryo zum Küken. Das Verfolgen des Wachstums junger Schnecken nach der Embryogenese ist leicht, weil es bis zum Erwachsensein gradlinig und ohne große physische Änderungen verläuft. Bei Gliedertieren wie Schmetterlingen ist das ein komplizierteres Verfahren, weil das Wachstum in einem Larvenstadium geschieht und eine große Metamorphose stattfindet.

 Kapitel 6 (‘Begegnendes’-Praktikum 3)

Sehr wichtig für das Selbstverstehen als Mensch ist das Observieren der Schimpansen. Die Schimpansen sind unsere direkten Brüder, Blutsverwandte. Ihres Immerweiterbestehen neben uns und mit uns ist unsere Realität. Die lokalen Populationen der Art Pan troglodytes (sogenannter Gemeiner Schimpanse) leben in den tropischen Wäldern Afrikas, im Wäldergürtel von Ost nach West, von Tansania bis Sierra Leone. Die Art Pan paniscus (Bonobo) lebt in Kongo in den Wäldern der großen Kurve des Kongoflusses.

Das Beobachten mit eigenen Augen in den Wäldern Afrikas über die Jahre hinweg ist für  Adoleszenten praktisch unmöglich. Glücklicherweise verfügen wir über verfeinerte Beschreibungen des  Affenlebens (Goodall, 1986; De Waal und Lanting, 1997). Hugo van Lawick filmte ausführlich die Troglodytes-Population im Gombe-Fluß-Reservat. Die Bücher und der Film sollen obligatorischer Lehrstoff sein. Ebenso Otto Adangs Buch (1999), in dem er eine detaillierte Beschreibung der Troglodytes-Population des Arnheimer Zoos gibt. Diese Schimpansenpopulation kann dort sicher fortlaufend beobachtet werden, Jahr für Jahr, und die Affen-Individuen können auf die Dauer als Persönlichkeiten verstanden werden. Die Untersuchung in Arnheim ist so wichtig, weil das Beherrschen (als Herrin/Herr dirigieren und organisieren) und Genießen des Gruppenlebens, zusammen mit eigener Lebens-erfahrungen der Adoleszenten ein eng verwandtes alternatives Zusammenleben zeigt.

 Kapitel 7 (‘Begegnendes’-Praktikum 4)

Die vorhergehenden Kapitel (2-6) führen ein in das Observieren der Menschenpopulationen. Dabei wird für die jungen Menschen sichtbar, wie das extrem entwickelte Gehirn Kompetenzen zur Verfügung hat, welche daß enge Zusammenleben in den Großstädten ermöglichen. Bei den Populationen kann weitgehend regiertes und einrichtendes Benehmen gesehen werden, daß das enge Zusammenleben ermöglicht. Dieses Letztere fordert Selbstzwängen, welche zu einigen Änderungen in der Persönlichkeitsstruktur führen können. In unseren eigenen Großstädten (Amsterdam, Rotterdam, Den Haag, Utrecht) erleben die observierenden jungen Menschen selbst das Leben in kompakten Umständen. Sie wachsen auf in dieser gegebenen Kompaktheit und werden erzogen zu Selbstzwängen. Mit dem während der Schuljahre fortschreitenden biologischen Denken ist es ihnen möglich geworden, ihre eigenen Familien in ihrer eigentlichen physischen Art zu sehen. Sie können - das Aspekte-Schema nutzend - sich selbst observieren. Viele Einsichten können gewonnen werden, wenn das Observieren fortgesetzt werden kann in den großen Städten der anderen Kontinente mit historisch anders entwickelten Menschenpopulationen.

 Kapitel 8 (dritte theoretischen Block)

Rückblickend auf Kapitel 3 ist in Kapitel 8 die Balk D, die Leiste der aufrecht laufende Schimpansen präsentiert.

Der Ankergrund des Denkens über den Menschen liegt in der Wissenschaft der Paleontologie. Die große Bedeutung der Leiste D liegt darin daß die Schädel aus vergangenen Zeiten, welche seit Dubois (1891) gesammelt wurden und neuerdings fotografiert sind und in Lebensgröße wiedergegeben in Johanson & Edgar (1996), platzsiert sind in der Zeit und in ihrer geographischen Region, und so ein eindruckvolles Bild geben der Stellen und Stationen in denen die Menschenpopulationen verkehrt haben. Diese Fossilien sind genutzt, um die Existenzkontinuität der heutigen Populationen sichtbar zu machen. Diese Leiste zeigt circa 140 Schädel. Auf Grund dieser Schädel werden die Hominiden-Populationen auf der Leiste in Linien angegeben. Mit Hilfe der Leiste ist die paleontologische Diskussion zu verfolgen. Die Momente der evolutionären Änderungen (Hominisierung) sind auf den Leisten einfach aufzuweisen, auch die möglichen Verbindungen mit späteren Populationen, das Auswandern nach anderen Kontinenten und die mögliche Rückkehr einer oder mehreren Populationen nach Afrika, die Dichte unterschiedlicher Populationen während der letzten Millionen von Jahren, und die Komplexsität der Lage der Populationen von 200.000 Jahren an. Die mögliche Zukunft der Menschenpopulationen kann aus den Vorangehenden abgeleitet werden.

Eine bedeutsame Einsicht für die Adoleszenten soll sein, daß ihr eigenes Leben in der Familie ein reales Glied gestaltet im Immerweiterbestehen der eigenen Population.

 Kapitel 9

Das Studium ist abgeschlossen mit einer Chronologie des Denkens über die Inhalte des Biologieunterrichts in den Niederlanden. Das hier vorliegende Studium hängt sich an an die historische Reihe der Pläne welche beabsichtigen die Wissenschaft der Biologie in der besten Art und Weise wertvoll sein zu lassen für Jungen und Mädchen im Sekundarunterricht.

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To complete the study, a design for a biology curriculum, the implementation will be the crucial and final step. I will keep track of several implementations and my own program on my website: www.cornelisvanmierlo.nl.

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Cornelis van Mierlo, November 2004.

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